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PURITS
Technische Notiz 5. Mai 2026

Firewall für KMUs: Wann reicht ipfire, wann braucht man Fortigate?

Beide sind leistungsfähige Firewall-Lösungen — aber für völlig unterschiedliche Szenarien. Eine Entscheidungshilfe aus der Praxis.

Die häufigste Frage die ich zum Thema Firewall bekomme: „Brauchen wir wirklich eine Fortigate?” Die ehrliche Antwort: meistens nicht.

ipfire: Die unterschätzte Open-Source-Lösung

ipfire ist eine Linux-basierte Firewall-Distribution, die auf Standard-Hardware oder in einer VM läuft. Ich setze sie für kleinere Kunden ein und bin seit Jahren zufrieden damit:

Stärken von ipfire:

  • Kostenlos (GPL-lizenziert), läuft auf alter Hardware
  • IPS/IDS (Intrusion Prevention) inklusive, wird aktiv gepflegt
  • VPN: WireGuard und OpenVPN nativ unterstützt
  • Übersichtliche Web-Oberfläche
  • Active Community, regelmäßige Updates

Typischer Einsatz: Büros bis ca. 20-30 Benutzer, klare Netzwerktrennung (Server-VLAN, Client-VLAN, Gäste-WLAN), VPN für Homeoffice. Hardware: ca. 100-200 € für einen Mini-PC mit zwei Netzwerkkarten.

Ob das VPN korrekt läuft und die öffentliche IP tatsächlich wechselt, lässt sich schnell mit ipcheckdirekt.de prüfen — fragt direkt bei den autoritativen DNS-Servern an, kein Caching. Für Gäste-WLAN-Zugänge bietet sich außerdem ein QR-Code an statt handgeschriebener Passwörter: wlan-qr-code-erstellen.de

Wann Fortigate sinnvoll ist

Fortigate (Fortinet) ist Enterprise-Hardware — das spiegelt sich im Preis wider. Ein FortiGate 60F kostet ca. 500-800 € für die Hardware, dazu jährliche Lizenzgebühren für UTM-Features (IPS, AV, Web-Filtering) von ca. 400-800 € pro Jahr.

Das lohnt sich wenn:

  1. Zentrales Management mehrerer Standorte: FortiManager macht Multi-Site-Management deutlich einfacher als ipfire.
  2. SD-WAN mit mehreren Internetleitungen: Fortigate hat ausgereiftes SD-WAN mit automatischem Failover und Load-Balancing.
  3. NAC-Integration: Zusammenspiel mit FortiNAC oder Aruba ClearPass für gerätebasierte Zugangskontrolle.
  4. Compliance-Anforderungen: Manche Versicherungen oder Branchen-Standards (z. B. für Gesundheitseinrichtungen) erwarten kommerzielle Firewalls mit Support-Vertrag.
  5. VPN für viele gleichzeitige Nutzer: FortiClient VPN ist in größeren Umgebungen stabiler als OpenVPN bei 50+ gleichzeitigen Nutzern.

Die versteckten Kosten der Fortigate

Was viele nicht einkalkulieren: Wenn die Fortigate-Lizenz ausläuft, werden Sicherheits-Features abgeschaltet. Eine abgelaufene Fortigate ohne aktuelle Lizenzen ist unsicherer als eine gepflegte ipfire. Das Budget für Folgekosten muss von Anfang an eingeplant werden.

Meine Empfehlung

Für Büros bis 25-30 Benutzer ohne spezielle Compliance-Anforderungen: ipfire auf einem Mini-PC ist die pragmatische, kosteneffiziente Wahl. Die eingesparten Lizenzkosten lassen sich in einen vernünftigen Support-Vertrag investieren.

Ab 30+ Benutzern, mehreren Standorten oder spezifischen Anforderungen lohnt sich das Gespräch über Fortigate — dann aber mit realistischer Budgetplanung für die Folgekosten.

Begriffe in diesem Artikel

KMU
Kleine und mittlere Unternehmen — Betriebe bis ca. 250 Mitarbeiter
IPS/IDS
Intrusion Prevention/Detection System — erkennt und blockiert Angriffe im Netzwerk
VPN
Virtual Private Network — verschlüsselter Tunnel ins Büronetzwerk, z. B. für Homeoffice
UTM
Unified Threat Management — Firewall-Appliance mit IPS, Virenscanner und Web-Filter in einem Gerät
NAC
Network Access Control — steuert, welche Geräte Zugang zum Netzwerk erhalten
SD-WAN
Software-Defined Wide Area Network — intelligente Steuerung mehrerer Internetleitungen mit Failover und Load-Balancing

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